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Der Schreiner-Beruf in Myanmar

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Myanmar gilt als das Land des Teakholzes schlechthin. Infolgedessen hat die Holzverarbeitung grosse Tradition. Seit der Schliessung der Technical High Schools 1994/95 gibt es jedoch keine fundierte Ausbildung für Holzverarbeiter mehr. Viel Wissen ging verloren und viele Betriebe tun sich schwer, kompetente Arbeitskräfte zu rekrutieren. Das Know-how wird oft familienintern weitergegeben. „Learning by doing“ lautet die Devise. Besonders fehlen den Jugendlichen Qualitätsbewusstsein, der Umgang mit neuen Techniken und Maschinen und eine angemessene Allgemeinbildung.

  • Möbelschreiner
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Die Ausbildung

Die am CVT angebotene Ausbildung
besteht aus 3 Lernorten.
2 Lernorte (Berufsfachschule und praktische überbetriebliche Kurse) werden dabei von CVT-Seite, ein Bereich (praktische Arbeit) von betrieblicher Seite abgedeckt.

Berufsschule am CVT

Der Berufsschulunterricht erfolgt wöchentlich während 1 Tag. Neben den Berufskundefächern Materialkunde, Fertigungstechnik, Fachrechnen und Technisches Zeichnen, werden auch die allgemein bildenden Fächer Englisch, Myanmar und Allgemeinwissen (Geografie, Wirtschaft, Buchhaltung) unterrichtet. Jede Klasse besteht aus Lernenden aus verschiedenen Betrieben, was einen fachlichen Austausch und wertvolle Netzwerke ermöglicht.

Praktische Kurse am CVT

Die praktischen Kurse (Practical Training Courses – PTC) sind dazu da, den Lernenden grundlegende praktische Erfahrungen in allen Teilbereichen des Berufes zu ermöglichen und die Theorie in die Praxis umzusetzen. Die 4 Kurse sind über die
3 Lehrjahre verteilt und dauern jeweils 2-3 Wochen. Sie werden im CVT-eigenen Kurslokal durchgeführt und beinhalten folgende Schwerpunkte:

  • Kurs 1: Handwerkzeuge
  • Kurs 2: Handmaschinen
  • Kurs 3: Stationäre Maschinen
  • Kurs 4: Oberflächenbehandlung
  • Kurs 5: Montage (in Erarbeitung, Start 2017)

Der Abschluss eines Kurses bildet jeweils eine 1-tägige Exkursion, wo verschiedene Betriebe besichtigt werden.

Praktische Arbeit im Betrieb

In der täglichen betrieblichen Arbeit werden die wöchentlich gelernten Inputs der Berufsschule angewendet. Die Arbeit im Betrieb erbringt dem Lehrling ein bescheidenes Einkommen, welches oft überlebenswichtig ist und meistens auch noch deren Familie finanziell unterstützt.

Die Abschlussprüfung

Die Abschlussprüfung erfolg am Ende der 3-jährigen Ausbildung. Neben den theoretischen Fächern: Materialkunde, Fertigungstechnik ,Fachrechnen, Technisches Zeichnen, Englisch, Burmesisch und Allgemeinwissen werden auch die praktischen Fertigkeiten geprüft.

Innerhalb von 20 Stunden muss anhand einer Werkstoffliste und einer technischen Zeichnung mit vorgegebenem Material, Handwerkzeugen und Maschinen ein Möbel hergestellt werden.

Ein mündlicher Prüfungsteil in Form eines Expertengespräches, welches ein Kundengespräch simuliert, bildet den Abschluss.

Zukunftschancen

Die gemachten Erfahrungen haben gezeigt, dass die CVT Lernenden nach erfolgreichem Abschluss sowohl in der handwerklichen als auch in der industriellen Möbelfertigung Arbeitsstellen finden.

Oftmals werden ihnen Führungsaufgaben als Produktions-, Abteilungs- oder Gruppenleiter übertragen, da sie den Arbeitsprozess ganzheitlich überblicken und Qualitätsstandards kennen.

Auch als Planer/Zeichner bieten sich Anstellungsmöglichkeiten, da auch hier die Fähigkeit Konstruktionen mit Materialeigenschaften und Betriebsmitteln zu kombinieren, gefragt ist. Einige eröffnen ihre eigene Werkstatt für einfache Möbel und Reparaturarbeiten, sofern ihnen dies der finanzielle Spielraum erlaubt.

Lehrpersonen

  • Möbelschreiner
    U Zaw Min Htut - Head of Profession
  • Möbelschreiner
    U Naing Lin - Teacher
  • Möbelschreiner
    U Ko Min- Teacher

Unterrichten folgende Berufskundefächer:

  • Theorie: Materialkunde, technisches Zeichnen, Mathematik, Arbeitstechniken
  • Praktische überbetriebliche Kurse

Experten aus der Schweiz

Reto Spichtig, Experte Schreiner

CM_Reto_Spichtig

Die Betreuung des Berufes geschieht durch Reto Spichtig, Sachseln. Er unterrichtet Berufskunde am Berufs- und Weiterbildungszentrum BWZ Obwalden. Er coacht die burmesischen Lehrpersonen und koordiniert die weiteren Experten.

„Feedbacks der Lehrlinge und Betriebsbesitzer bestätigen, dass das CVT auf dem richtigen Weg ist. Der Gedanke, im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe Nachhaltiges zu erarbeiten, motiviert enorm.“

Seppi Bucheli

„Als ehemaliger Fachkundelehrer an der Berufsschule Willisau habe ich eine sehr willkommene und geschätzte Aufgabe am CVT in Yangon. Die grosse Möglichkeit, dass CVT-Lernende nach der Lehre eine bezahlte Stelle finden und somit die Familie unterstützen können, ist jedes Jahr eine grosse Genugtuung.“

Jeremias Pellaton, Möbelschreiner Experte

Als Student der Berner Fachhochschule im Studiengang „Bachelor of Science in Holztechnik“ hat Jeremias Pellaton von Februar 2014 bis Januar 2015 sein Praktikum am CVT Myanmar absolviert. Seine Bachelorthesis hat er über die Weiterentwicklung und die Anpassung des Schreinerlehrplans am CVT geschrieben. Als Experte bleibt Jeremias über sein Praktikum hinaus dem CVT erhalten.

„Das duale Berufsbildungssystem hat mir grosse Türen geöffnet. Ich bin überzogen, dass diese Art von Ausbildung, besonders in Myanmar, noch vielen jungen Leuten neue Perspektiven öffnet“.

Vom Vorlesungssaal in Biel ins Lehrerzimmer im CVT in Yangon

Kurzfilm zur Bachelor Thesis über die Weiterentwicklung des Schreinerberufes in Myanmar von /mit Jeremias Pellaton.