Herzlichkeit, Erfindergeist und Anpassungsbedarf

Vor dem Corona-Lockdown weilte Samuel Friedrich als letzter Besucher aus der Schweiz am CVT. Im Rahmen seines Expertenbesuches in Myanmar konnte er wertvolle Ideen für die Weiterentwicklung der Metallarbeiter-Lehre gewinnen. Davon berichtet er im folgenden Interview.

Samuel, du warst zum ersten Mal in Myanmar und Yangon. Was hat dich besonders überrascht?

Der Puls der Stadt, das Strahlen auf den Gesichtern und die Herzlichkeit der Menschen, die Geschäftigkeit in den Gassen. Am meisten beeindruckt haben mich die kleinen mechanischen Werkstätte mit ihren Spezialisierungen und dem Erfindergeist. Mit bescheidenen Mitteln wird doch grosses umgesetzt.

 

Wieso hast du das CVT besucht und was waren deine ersten Eindrücke vor Ort?

Mein erster Besuch fiel auf die Zeit der Abschlussprüfungen der «Metal Worker». Das Ziel meines Experten-Besuches war es, einen Eindruck über alles zu gewinnen. Ich konnte gleich in den ersten Tagen einen Einblick in das Level der Ausbildung erhalten. Ich durfte mögliche Lehrbetriebe besuchen und konnte so eine Einschätzung zur Situation des Metallarbeiter-Lehrgangs erlangen. Mit unseren Lehrern konnte ich zudem eine CAD-Schulung durchführen.

 

Wie steht es um unseren Metallarbeiter-Lehrgang?

Die Situation ist nicht ganz einfach. Neue Betriebe zu finden welche bereit sind Mitarbeiter in eine Ausbildung zu schicken, ist schwierig. Kleine Unternehmen schicken hauptsächlich Familienmitglieder in eine Ausbildung. Die Firmenbesuche haben aufgezeigt, dass aufgrund der aktuellen Marktverhältnisse ein Bedarf an Bauschlossern besteht. Die frühere Berufsbezeichnung «Metal Worker» ist ins Burmesische übersetzt für junge Auszubildende wenig attraktiv. Ein Besuch beim Ministry of Labour hat gezeigt, dass unglaublich viele Burmesen auswandern wollen.

 

Wie soll es nun weitergehen?

Auf die Erkenntnisse der Firmenbesuche wird eingegangen. Es wird ein Namenswechsel auf «Metal Technician» angestrebt. So kann der Lehrgang attraktiver beworben werden. Die Unterrichtsinhalte werden den vorherrschenden Marktbedürfnissen angeglichen. Dies in Folge der Strategieanpassung auf eine modulare Ausbildung. Bestehende Inhalte müssen modernisiert und auf den aktuellen Stand gebracht werden. Nebst den Klein- und Kleinstbetrieben bauen auch Unternehmen wie Unilever in Yangon und Mandalay Produktionen auf. Dies könnte eine Chance sein, künftig Lehrlinge von Firmen zu gewinnen, die bereit sind, sich an den Ausbildungskosten zu beteiligen und den Nutzen wertschätzen.

 

Wieso setzt du dich fürs CVT ein, resp. was motiviert dich dabei besonders?

Durch meine Arbeit im tüftelPark Pilatus erfuhr ich von meinen Kollegen Paul Zimmerli und Stefan Vogler von ihrer Arbeit als Experten am CVT. Mich interessieren Bildungsthemen und andere Kulturen. Ich schätze den Austausch und die gegenseitige Bereicherung. Ich bin überzeugt, mit den Ausbildungsmöglichkeiten leistet das CVT einen wichtigen Beitrag , um junge Menschen vor Ort für die Berufswelt zu befähigen.


Newsletter Frühling 2020 - Mitten in der Corona-Krise ...

Der aktuelle Newsletter musste für einmal ausschliesslich mittels Recherchen über Skipe, Social-Media und E-Mail erstellt werden - Besuche vor Ort sind zurzeit wegen COVID-19 nicht möglich. Sollten Sie den Bericht in Ihrer Inbox übersehen oder vermisst haben, können Sie hier das Verpasste in Ruhe nachholen bzw. nachlesen.

Newsletter Frühling 2020


Auswirkungen der Corona-Krise im CVT

Die aktuelle Pandemie hat auch Myanmar erreicht:

  • Am 13. März verordnete das Arbeitsministerium die Schliessung der Schulen vom 18. März bis zum 30. April 2020. Zum Glück waren zu diesem Zeitpunkt die Abschluss-Prüfungen am E4Y und den Berufsschulen absolviert und der ordentlichen Schulbetrieb bereits beendet.
  • Die Graduation Ceremonies (Abschluss-Feiern) fürs E4Y und die Berufsschulen (Ende März / Anfang April) mussten auf Anfang Mai resp. noch später verschoben werden, siehe hierzu das abgebildete Schreiben vom 16. März 2020.  
  • Für die verbleibenden Weiterbildungskurse am CVT bis Ende März versucht die Schulleitung adäquate Lösungen festzulegen.
  • Ende März erliess das Gesundheitsministerium Richtlinien und Verhaltensregeln bezüglich der Corona Pandemie. Internationale Flüge wurden eingeschränkt, Visa werden keine mehr ausgestellt und die Bevölkerung zu häuslicher Quarantäne sowie die Betriebe zur Auslagerung der Arbeit nach Hause aufgefordert. Je nach Region und Stadt gelten strengere Massnahmen: Restaurants und grosse Märkte mussten schliessen, Menschenansammlungen wurden beschränkt und Freizeit- und Kultusstätten bleiben geschlossen.
  • Seit dem 26. März funktioniert CVT in einem gemischten Betrieb. Mehrheitlich arbeiten das Personal zu Hause, definierte Gruppen treffen sich periodisch (zweimal pro Woche) zu Koordinationsmeetings in den Räumen der Schule. 
  • Trotz erschwerter Bedingungen setzt die Schulleitung die Planung und den Intake (Aufnahme/Rekrutierung neuer Lernender) fürs neue Schuljahr (2020/21) fort.
  • Die eingeschränkte Reisemöglichkeiten verhindern auch verschiedene Aufenthalte von Vorstandsmitgliedern und Experten vor Ort. Dadurch werden u.a. notwendige Instruktionskurse für Lehrpersonal hinausgeschoben werden müssen.
  • Der Vorstand beobachtet die Entwicklung aufmerksam und arbeitet an Optionen, falls die Schule im Mai nicht starten und die Umsetzung der neuen Strategie nicht planmässig erfolgen kann.

Vorstand mit neuen Gesichtern

Nach den Rücktritten von Andreas Bösch, Konrad Ellsässer, Reto Spichtig und Stefan Vogler wurden an der Mitgliederversammlung vom 18. Januar 2020 folgende drei Personen neu in den Vorstand gewählt:  Ruedi Fanger, Rolf Fischer, Marianne Schneider.

Anlässlich der ersten Sitzung in neuer Zusammensetzung hat der Vorstand am 22. Februar 2020 zusätzlich Martin Läng in den Vorstand aufgenommen und sich wie folgt konstituiert:

  • Präsidium: Heini Portmann
  • Vizepräsidium: Rolf Grossenbacher
  • E4Y Orientierungsstufe: Ricco Ebener
  • Expertenkoordination Handwerksberufe: Martin Läng
  • Expertenkoordination Dienstleistungsberufe: Marianne Schneider
  • Controlling: Rolf Fischer
  • Kommunikation: Ruedi Fanger
  • Aktuarin: Michelle Bollet
  • Projekte: Jeremias Pellaton

Die Portraits des Vorstandes sind unter diesem Link zu finden.


E4Y Orientierungsschule: 18 Schulabgänger vor dem Eintritt ins Berufsleben

Im März konnten 18 Schüler (8 Mädchen und 10 Jungen) ihre vierjährige Ausbildung am E4Y erfolgreich abschliessen. Wie in den Vorjahren werden wiederum die meisten eine Lehre am CVT starten:

  • 4 Kaufleute
  • 3 Schreiner
  • 2 Elektriker und
  • 8 Hotel-Gastro-Fachleute

Eine junge Frau hat bereits in einem Modedesign Geschäft zu arbeiten begonnen.

Im Mai werden 60 neue Schülerinnen und Schüler die Ausbildung starten. In einem Pilotversuch wird das Eintrittsalter erhöht und die Orientierung auf das Berufsleben intensiviert. Damit soll den Absolventen in Zukunft der Einstieg ins Berufsleben erleichtert werden.


CVT Berufsschule: 154 Diplomierte – Abschlussfeier aufgeschoben

Nach den Examen Ende Februar und anfangs März hat die Notenkonferenz folgende Anzahl bestandener Prüfungen bekanntgeben können:

  • 26 Kaufleute
  • 12 Schreiner
  • 10 Metallarbeiter
  • 29 Elektriker
  • 30 Hotel-Gastro-Fachleute

An der traditionellen, jedoch auf unbestimmte Zeit aufgeschobenen Lehrabschlussfeier hätten zudem 47 Diplome für erfolgreiche Kursbesuche in der Weiterbildung überreicht werden können:

  • 31 YE4M – Jungunternehmerkurs
  • 28 ICT – Ausbildnerkurs

Im Verlaufe des Schuljahres konnten zudem zahlreiche Kurse erfolgreich durchgeführt werden (Teilnehmende):

  • Einführungskurse für Unternehmen (Schindler, Caterpillar, Coca Cola) (36)
  • Gesponserter Lehrgang für Elektriker (27)
  • Wochenendkurse für Hobbyschreiner (26)
  • Diverse Kurzkurse (Schreiner, Webdesign, Jungmanager) (39)
  • Kurse ausserhalb Yangon in Zusammenarbeit mit Dritten (163)

CVT Berufsschule: Vielseitige Herausforderungen im Schuljahr 2020/21

Unter erschwerten Bedingungen verlaufen die Vorbereitungen für das neue Schuljahr 2020/21. Einerseits sind noch die Lehrgänge nach altem Konzept (dreijährige Lehre) mit 11 Klassen weiterzuführen, andererseits starten alle neuen Lehrgänge mit dem neuen Phasenmodell (Einführungskurs, zweijährige Basislehre, Spezialisierungskurse) mit 10 Klassen. Kaufleute (Business Administrator), Elektriker und Hotel-Gastro-Fachleute arbeiten bereits mit neuen Lerninhalten, für die Schreiner und Metallarbeiter werden diese bis Mai 2021 ausgearbeitet.

Zusätzliche Herausforderungen ergeben sich ...

  • in der Kurs- und Kapazitätsplanung wegen den auf das ganze Jahr verteilten Start- und Endzeiten der Kurse.
  • für die Kommunikation und das Marketing wegen dem erstmaligen Einfordern von Kursgeldern, der direkten Aufnahme von Schulabgängern in die Einführungskurse mit der damit verbundenen anschliessenden Vermittlung an Lehrbetriebe, welche sehr aufwändig ist.

Die Rekrutierung der Lernenden (Intake) fürs Schuljahr 2020/21 wurde mit einer Pressekonferenz am 22. Februar 2020 lanciert. Einen Eindruck des vielbeachteten Anlasses bietet der Youtube-Beitrag von MRTV (Myanmar Radio and Television).


Umsetzung der neuen Strategie am Beispiel der Lehre für Kaufleute

Mit der Strategie 2019 – 2023 soll einerseits die Berufslehre an lokale Verhältnisse und Bedürfnisse angepasst, andererseits die Abhängigkeit von Spendengeldern aus der Schweiz mit Erträgen aus Kursgeldern reduziert werden.

Der neue Lehrgang Business Administrator (Kaufleute) basiert im Wesentlichen auf der zweijährigen, in der Schweiz praktizierten Lehre für Büroassistenten, erweitert um Wirtschaftsenglisch. Um eine moderne, qualitativ hochstehende Ausbildung anzubieten, welche auch eine Akkreditierung in der Schweiz ermöglicht, wurden u.a. folgendes umgesetzt:

  • Curriculum mit Bildungsprofil, Kompetenzen, Stundentafel und Prüfungssystematik, angelehnt an das Vorbild der Schweizer Bildungsverordnungen – verbunden mit einer entsprechenden Qualitätssicherung (externe Zertifikate, Abschlussprüfungen erstellt in der Schweiz, Anerkennung durch Schweizer KV Schule)
  • Massgeschneiderte Lehrmittel -- mit grosszügiger Erlaubnis des SKV-Verlags wurde ein in der Schweiz bewährtes Wirtschaftslehrmittel angepasst und ins Englische übersetzt.
  • ICDL-Module in Informatik – das CVT wird ICDL- Prüfungscenter.
  • Business English -- mit einem modernen Lehrmittel und On-line-tools lernen die Auszubildenden ihre Fachsprache und können im Anschluss an die Lehre ein entsprechendes Sprachdiplom absolvieren.
  • Projektorientiertes Arbeiten – im 4. Semester wird das Gelernte in fächerübergreifenden Projekten umgesetzt.

Die bisherige dreijährige Lehre wird auf zwei Jahre reduziert, in kürzere Lernphasen aufgeteilt und die Lernenden werden zu Beginn gezielt auf ihre Tätigkeit im Unternehmen vorbereitet.

  • Gestartet wird mit einem Vorbereitungskurs, an welchen die angehenden Lernenden auf den Eintrittstest (Englisch, 10-Fingersystem, Arithmetik, Muttersprache) vorbereitet werden.
  • Die eigentliche Ausbildung beginnt mit einem 6-wöchigen Intensivkurs, der mit einer promotionsrelevanten Prüfung abgeschlossen wird.
  • Es folgt die klassische duale Lehre, in der die Auszubildenden jeweils einen Tag an der Schule und fünf Tage im Lehrbetrieb verbringen. Mit Bestehen der Abschlussprüfung erwerben die jungen Leute den Titel "Business Administrator CVT" mit Anerkennung einer Schweizer KV Schule.
  • Im Anschluss an die Lehre besteht die Möglichkeit, in Spezialisierungskursen (Management, Organisation, Personalwese, Controlling etc.) das Wissen entsprechend den Bedürfnissen zu vertiefen.

Erfolgreichen Absolventen können zusätzlich lokale NSSA Zertifikate erwerben.


1. Pilotkurs für Hotel und Gastro Assistenten nach neuem Konzept erfolgreich durchgeführt

Nach intensiven Vorbereitungen startete der Pilotkurs mit 31 Lernenden. Während 6 Wochen wurden Basiskenntnisse an alle vermittelt und in Gruppen unterteilt vertiefte Kenntnisse in den Bereichen Empfang / Raumpflege sowie Küche / Service. Mit der Unterstützung durch unsere Schule konnten die Lernenden in renommierten Betrieben ihre praktische Ausbildung starten, können dort ihren ersten Lohn verdienen und am CVT während einem Tag die Schule zur Fortsetzung der Lehre besuchen.  


Hydrokulturen an der Orientierungsschule E4Y

Auf Anregung unseres Experten Willy Stierli und mit der grosszügigen Unterstützung der Cimbria Foundation wurde im Frühling / Sommer 2019 ein Hydroponic Projekt realisiert, in welchem im Vorhof der Schule zusammen mit den Schülern Gemüse gepflanzt und geerntet werden können. Der Zwischenbericht vom Juli beschreibt den Weg von der Samenpflege über das Pflanzen, Ernten bis zur Verwendung in der schuleigenen Küche. 

Zwischenbericht (PDF english)


Lehrerfortbildung Sport an der Orientierungsschule E4Y

Die von Absolventen der Fachhochschule Nordwestschweiz entwickelten Module für die Lehrerfortbildung in Sport ist bei den Volksschullehrern von Yangon sehr beliebt. Im Herbst 2019 fand ein weiterer Kurs mit 30 Teilnehmern und 6 Experten statt. Der Bericht gibt einen Einblick in den Verlauf des Projektes. 

Bericht (PDF)